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Künstliche Intelligenz

Der langfristigen Entwicklung der künstlichen Intelligenz und ihren Auswirkungen auf unser Selbstverständnis und unser Weltbild gilt mein besonderes Interesse.

Wird diese Entwicklung so weit gehen, dass es in absehbarer Zeit Maschinen mit Bewusstsein gibt? Wenn die Entwicklung von Computerchips mit dem gleichen Tempo weitergeht wie bisher, werden unsere Personalcomputer etwa bis zum Jahr 2015 die gleiche Leistungsfähigkeit wie ein menschliches Gehirn erreichen. Wird es dann möglich sein, sie auch mit all den anderen menschlichen Fähigkeiten wie Bewusstsein, Vernunft und Gefühlen auszustatten?

Hirnforscher wie der bekannte Bremer Prof. G.Roth glauben, dass das im Prinzip möglich sein wird. Andere prominente Hirnforscher wie der Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung Prof. Singer sehen dafür angesichts der extremen Komplexität unseres Gehirns kaum Chancen. Die Frage läuft schließlich darauf hinaus, ob die Vorgänge in unserm Gehirn vollständig mit Hilfe der Naturwissenschaften beschrieben werden können oder ob hier mystische oder gar gottgegebene Substanzen am Werk sind. Aufgrund der Ergebnisse der modernen Hirnforschung ist aber heute die Position des Dualismus nicht mehr haltbar. Stattdessen werden von den meisten Hirnforschern und mittlerweile auch von vielen Geisteswissenschaftlern monistische Theorien bevorzugt. Besondere Beachtung findet dabei die Theorie des nichtreduktionistischen Physikalismus. Hier geht man davon aus, das alle Vorgänge im Gehirn auf den bekannten Naturgesetzen beruhen, dass es aber andererseits emergente Phänomene gibt, wie z.B. das Bewusstsein, die sich nicht restlos auf das Feuern einzelner Neuronen reduzieren lassen. Vielmehr handelt es sich dabei um Effekte, die eine synchrone Aktivität vieler Neuronengruppen erfordern.

Sollte es früher oder später tatsächlich Maschinen mit Bewusstsein geben, so wird dies ungeahnte Konsequenzen für unser Selbstverständnis und für die langfristige Entwicklung unserer Zivilisation haben. Der Mensch wird von seiner Spitzenposition als Krone der Schöpfung verdrängt werden. Unsere Zivilisation wird mit Hilfe der künstlichen Intelligenz eine gewaltige Größe erreichen und sich weit über unser Sonnensystem ausbreiten. Daneben wird es bewusstes Leben in virtuellen Welten geben.

Der Mensch wird sich selbst „verbessern“ mit Hilfe der Genmanipulation und durch neuronale Implantate. In einer transhumanen Zivilisation wird es so eine Vielzahl unterschiedlichster Wesen geben, angefangen von „normalen“ Menschen über „optimierte“ Menschen bis hin zu Maschinenwesen unterschiedlichster Art. Pessimisten wie der bekannte Philosoph J.Habermas sieht in dieser Entwicklung vor allem die Gefahren und ordnet die Propheten einer transhumanen Zivilisation als „ausgeflippte Intellektuelle“ ein. Legt man den Beginn des Zeitalters des Transhumanismus auf den Punkt, an dem zum ersten Mal eine technische Ergänzung des menschlichen Körpers die Fähigkeiten eines „normalen“ Menschen übertrifft, so können wir das Jahr 2008 damit identifizieren. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF wollte den behinderten Leichtathleten Oscar Pistorius nicht zu den Olypischen Spielen 2008 in Peking zulassen, weil der 21 jährige Südafrikaner, dem im Alter von 11 Monaten beide Beine wegen eines Gendefektes knieabwärts amputiert wurden, über hochentwickelte Prothesen verfügt. Mit diesen Prothesen läuft er die 400 Meter in 46,34 Sekunden. Der Kölner Biomechanikprofessor Gert-Peter Brüggemann hat in einem Gutachten festgestellt, dass die Prothesen zu einem mechanischen Vorteil von 25% im Energiehaushalt der Gelenke führt. Damit ist der Behinderte den anderen Sportlern prinzipiell überlegen.

In spätestens einer Milliarde Jahren wird auf der Erde kein biologisches Leben mehr möglich sein. Die künstliche Intelligenz wird aber unsere Zivilisation darüber hinaus über einen riesigen Zeitraum weiter aufrechterhalten können. Spätestens dann beginnt das Zeitalter des Posthumanismus.

Eine ausführlichere Abhandlung von mir über das Thema Transhumanismus ist hier zu finden:

http://transhumanismus.wordpress.com/2009/07/06/hello-world/

Anlässlich des 200jährigen Bestehens des Verlagshauses Wiley wurden auf der Homepage des Verlags Zukunftsprognosen von Autoren des Verlags abgegeben. Mein Beitrag über künstliche Intelligenz ist über den folgenden Link erreichbar:

http://www.wiley.com/legacy/annual_reports/ar_2007/essays/essay_ai.htm

Douglas Hofstadter hat ein neues Buch geschrieben mit dem Titel „Ich bin eine seltsame Schleife“. Darin geht es um die Beschreibung des menschlichen Bewusstseins. Hier ist dazu meine Rezension:

http://hpd.de/node/6202

In dem Buch „Die Neuen Humanisten“ wird von Herausgeber John Brockman aufgezeigt, wie die Forscher von heute die Welt von morgen bestimmen. Dazu meine Rezension:

http://hpd.de/node/6446

Weitere Informationen zum Thema Transhumanismus, Posthumanismus und künstliche Intelligenz gibt es in meinem Blog:

http://transhumanismus.wordpress.com/

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